Direkt zum Inhalt

Frühere Kandidaturen für das Parlament: Daten und Zahlen

1919 fanden die ersten Nationalratswahlen nach dem Proporzverfahren statt. Seither sind auf dem nationalen Parkett neue Parteien aufgetaucht. Damit stieg die Zahl der Listen und der Kandidatinnen und Kandidaten. Wie hat sich der typische Nationalratskandidat im Verlaufe der Zeit verändert? Die Analyse des Bundesamts für Statistik.

Immer mehr Listen

Vor vier Jahren wurden in den Kantonen mit Proporzverfahren 422 Listen eingereicht. Das sind 57 mehr als 2011. Zwanzig Jahre vorher, also 1995, waren es noch 278 und 1971 erst 151. Diese Zahlen stammen aus den Erhebungen des Bundesamts für Statistik (BFS).

Laut BFS erklärt sich diese Zunahme mit der Schaffung alters- und geschlechtsspezifischer und regionaler Listen. 2015 gab es 191 derartige Listen (48 mehr als 2011), 126 davon waren Jugendlisten.

Von Interesse ist auch, dass die Listenzahl im Vergleich zu 2015 vor allem in den Kantonen St. Gallen  (+ 8) und Tessin (+ 7) stieg. Dagegen sank sie in den Kantonen Schwyz (- 4) und Bern (-2).

Immer mehr Kandidatinnen und Kandidaten

In den Kantonen mit Proporzverfahren verblüfft auch die Zunahme der Anzahl Kandidatinnen und Kandidaten: 2015 gingen mit 3788 Personen 330 mehr ins Rennen um einen Nationalratssitz als 2011. 1928 lag diese Zahl noch bei 727 Personen. Ab den Vierzigerjahren bis Ende der Sechzigerjahre bewegte sie sich um die 1000. Dann stieg sie deutlich: Schon 1975 kandidierten 1947 Personen und 1987 waren es bereits 2400 Personen. 

Die meisten Kandidatinnen und Kandidaten gingen 2015 im Kanton Zürich ins Rennen, nämlich 873 (2011: 802), gefolgt von Bern mit 567, der Waadt mit 326 und dem Aargau mit 288 (2011: 545 bzw. 334 bzw. 280). Das Schlusslicht bildeten die Kantone Jura mit 24 Kandidatinnen und Kandidaten (2011: 16) und Schaffhausen mit 21 (2011: bereits 21).

Den deutlichsten Anstieg verzeichneten die Kantone Zürich (+71), Tessin (+54) und Freiburg (+32). In den Kantonen Schwyz und Waadt kandidierten hingegen gegenüber 2011 14 bzw. 8 Personen weniger.

Vierzigjährige Kandidatinnen und Kandidaten

Das Durchschnittsalter der Kandidatinnen und Kandidaten lag 2015 bei 40,6 Jahren. Es variierte in den letzten Jahrzehnten nur wenig: So waren die Kandidatinnen und Kandidaten, die 1971 ins Rennen gingen, durchschnittlich 45,7 Jahre alt, 1987 betrug das Durchschnittsalter 43,1 Jahre und 2011 40,5 Jahre.

Interessant ist, dass 1971 der Anteil der über 60-Jährigen (9,6%) und der unter 30-Jährigen  (9,3 %) praktisch gleich war. Vor vier Jahren war ein Drittel der Kandidatinnen und Kandidaten (34,1 %) jünger als 30. Dagegen machten die über 60-Jährigen lediglich 12,1 % aus.

Frauenkandidaturen

Der Frauenanteil an den Kandidaturen bewegte sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Kantonen mit Proporzverfahren kaum. 1995 lag er bereits bei 34,9 %, 2007 bei 35,2 %. 2011 sank er auf 32,8 % und stieg dann 2015 auf 34,5 % an.
 
Beachtlich ist, dass 2015 im Kanton Basel-Stadt die Frauenkandidaturen 44,3 % ausmachten, im Kanton Zug 40 % und im Kanton Jura 37,5 %. Unter 30 % blieb der Frauenanteil an den Kandidaturen hingegen in den Kantonen Schaffhausen (23,8 %), Neuenburg (24,1 %), Waadt (26 %), Tessin (27,9 %) und Freiburg (29, 8%).

Bundesamt für Statistik: Nationalratswahlen 2015 – Listen und Kandidaturen
Bundesamt für Statistik – Politische Informationen