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Wahlen in Kriegszeiten

Auch wenn die Schweiz von den kriegerischen Auseinandersetzungen verschont wurde, so war die politische, wirtschaftliche und soziale Lage während der zwei Weltkriege sehr angespannt. Dennoch konnten die eidgenössischen Wahlen 1914 und 1939 stattfinden.

Der Erste Weltkrieg

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 beschloss das Parlament, dem Bundesrat zur Wahrung der Sicherheit und der Neutralität des Landes unbeschränkte Vollmachten zu erteilen. Zudem beschloss es die Mobilmachung der Armee: Die Wehrmänner mussten Hunderte von Diensttagen leisten, um die Grenzen der Schweiz zu schützen. Aufgrund dieser Massnahme wollten die Parteien die Wahlen vom 25. Oktober 1914 verschieben, was allerdings aus verfassungsrechtlichen Gründen vom Bundesrat abgelehnt wurde.

Politischer Burgfrieden

In fast jedem Kanton wurde der sogenannte Burgfrieden befolgt, das heisst, dass die politischen Parteien ihre Auseinandersetzungen provisorisch zurückstellten und sich hinter die Regierung stellten. Dementsprechend fanden auch «Burgfriedenswahlen» statt: Es gab praktisch keinen Wahlkampf, folglich auch wenig Veränderungen in den Parteipräferenzen. Für die Wehrmänner, die es nicht schafften, rechtzeitig zu wählen, wurde in gewissen Wahlkreisen ein zweiter Wahlgang organisiert. Trotz diesen Massnahmen erreichte die Wahlbeteiligung 1914 nur ein Minimum.

Der Zweite Weltkrieg

Auch 1939 erteilte das Parlament dem Bundesrat unbeschränkte Vollmachten zum Schutz des Landes. Gestützt auf diese Vollmachten beschloss die Regierung unter anderem die Mobilmachung der Armee.

Der politische Kontext war stark geprägt von den ausländischen Ereignissen: Wegen der Bedrohungslage wurde wie im Ersten Weltkrieg die Kluft zwischen den Bürgerlichen und den Sozialisten kleiner. Letztere gaben ihre sozialrevolutionären Ansprüche auf und näherten sich Ersteren an, indem sie sich zur Landesverteidigung bekannten.

Diese Haltung führte zu innerparteilichen Spaltungen: So wurde der Genfer Linkssozialist Léon Nicole, ein Befürworter der sowjetischen Politik gegenüber Deutschland, 1939 von der Partei ausgeschlossen und gründete darauf die «Fédération socialiste suisse (FSS)», der ein grosser Teil der Waadtländer und Genfer Sozialisten beitrat. Die FSS wurde jedoch im Mai 1941 vom Bundesrat bereits wieder verboten.

Kritik am Parlament

Die schon seit dem Ersten Weltkrieg vorhandene Tendenz zum Antiparlamentarismus konnte sich nun mit dem Aufbruch des Nationalsozialismus auf eine entsprechende Ideologie stützen. Dem Parlament und dem liberalen System wurde vorgeworfen, die Wirtschaftskrise zu wenig bekämpft zu haben. Sie hätten die zeitgenössischen Probleme nicht nur nicht bekämpft, sondern auch verursacht.

Wahlen 1939

Im Vergleich zu den Wahlen 1935 liessen sich 1939 keine grossen Veränderungen in den Parteistärken feststellen. Die Wahlen konnten normal am 29. Oktober stattfinden, für die Wehrmänner wurde die notwendige Infrastruktur organisiert. Allerdings fanden dieses Mal in den Kantonen Luzern, Schwyz, Zug, Solothurn, Appenzell Ausserrhoden, Tessin, Waadt, Wallis und Neuenburg stille Wahlen statt.

Zwei Regierungsräte des Kantons Basel-Landschaft wurden 1939 in den Nationalrat gewählt, Hugo Gschwind (KK) und Walter Hilfiker (SP). Da nur ein Mitglied des Regierungsrates in den Nationalrat wählbar war, musste das Los entscheiden; Der Entscheid fiel zugunsten von Hugo Gschwind aus.